Carsten Heveling

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Restaurierung der Oberflächen (Kosmetik)
Über die kosmetische Erscheinung meines Instrumentes
Restoration of the surfaces (cosmetic)
About the cosmetic appearance of my instrument
Der äußere, kosmetische Zustand eines Bandoneons hat nicht direkt etwas mit dem Klang und dem Funktionieren des Instrumentes zu tun. So gesehen, gibt es hier kein Richtig und Falsch sondern nur eine persönliche Empfindung. In der Restaurierung muß ich herausfinden, welche Sichtweise der Besitzer auf die Spuren des Alters an seinem Bandoneon hat.

Die Sichtbarkeit von jahrzehntelangem Gebrauch wird bei verschiedenen Musikinstrumenten unterschiedlich bewertet. Große Instrumente wie Orgeln oder Pianos haben wie Möbel selbst nach Jahrzehnten wenig Alterszeichen und so werden die Oberflächen in der Restaurierung aufwendig aufgearbeitet. Das entspricht der Erwartung.

Kleine, tragbare Musikinstrumente begleiten ihren Besitzer überall hin. So ist das Bild einer wertvollen Geige gerade umgekehrt, -Macken, Abplatzungen und Verfärbungen an einem historischen Streichinstrument erzählen ihre Geschichten. Sie belegen, daß das Instrument stets gespielt wurde. Man folgert, daß der Klang dieses Instrumentes überragend sein muß, wenn es denn all die Jahrzehnte durchweg gespielt wurde. Auch muß die Qualität des Instrumentes überragend sein, hat es doch die offensichtliche starke Benutzung über all die Jahre gut überstanden, - so die Logik.

So werden heutzutage nahezu alle neugebauten Streichinstrumente kunstvoll und aufwendig gealtert. Die Kunst des Alterns von Gegenständen sieht man bei Möbeln, Bildern und aller Art von "Antiquitäten". In China war jeher die Kunst des Alterns sehr entwickelt. Selbst Fachleute können die in China kunstvoll gealterte Keramik von tatsächlich historischer Keramik oft nicht unterscheiden. Auch neue Gitarren werden teils skurril gealtert und als "vintage" (englisch für: alt, mit besten Eigenschaften) angeboten.

Das Akkordeon bildet hier eine Ausnahme. Die ästhetische Erscheinung eines Akkordeons ist stets einwandfrei. Den Grund sehe ich in der fortwährenden technischen Entwicklung des Akkordeons. Neue Entwicklungen bringen neue Modelle hervor. Die Restaurierung von historischen Akkordeons kenne ich nicht. Es scheint, als würden nur neue oder neuwertige Akkordeons gespielt. Das klassische Bandoneon wird dagegen nicht technisch weiterentwickelt. Die Instrumente sind 80 bis 90 Jahre in Gebrauch, werden konserviert oder eben restauriert. Das wirft die Frage auf, wie das Ergebnis einer kosmetischen Restaurierung  aussehen soll.

Die Restaurierung der Oberflächen eines Bandoneons wird individuell mit dem Besitzer gemeinschaftlich gefunden. So können zum Beispiel Brüche oder Abplatzungen (code A06), fehlende Perlmuttdekore (code A04), beschädigte Silberleisten (code A05) und Lyren (code F03) ergänzt oder gesichert werden. Beim Thema „Glanz“ bin ich für Zurückhaltung und Respekt vor der natürlichen Erscheinung eines original erhaltenen, klassischen Instrumentes.

Die Natur holt sich jede nicht dauerhaft "gepflegte" Fläche zurück. Ich denke da an den "wild romantischen" oder "verwilderten" Garten. Wie die Lüge, muß die glänzende Fläche stets gestützt, nachgearbeitet und gepflegt werden. Die Wahrheit ist einzig und steht für sich. Sie braucht keine Stütze oder Pflege. Ich selbst bin ein Teil der Natur und mir gefällt die Idee, daß mein Bandoneon es auch ist. Die wirklich wichtigen Eigenschaften meines Instrumentes sind klar, - und genau dort setzt meine Arbeit als Restaurator an.

... siehe auch "Restaurierung / Gehäuse"

... siehe auch Artikel "Knöpfe. Material, Eigenschaften, Ästhetik und Restaurierbarkeit"



Restoration of the surfaces (cosmetic)

About the cosmetic appearance of my instrument.

The external, cosmetic condition of a Bandonen is not directly related to the sound and the functioning of the instrument. In this case, there is no right and wrong, but only a personal preference. In the restoration, I have to find out which view the owner has on the traces of the age at his Bandoneon.

The visibility of decades of use is evaluated differently in different musical instruments. Large instruments such as organs or pianos, like furniture, have little signs of age even after decades. In the restoration, surfaces worked up intensively. This corresponds to the expectation of a “perfect” looking outfit.

Small, portable music instruments accompany their owners everywhere. Thus the image of a valuable violin is just reversed. Chips and discoloration on a historical string instrument tell their stories. They indicate that the instrument has always been played. It is concluded that the sound of this instrument must be outstanding when it has been played throughout all the decades. Also, the quality of the instrument must be superior, since the obvious strong use over all the years has well surpassed, according to the logic.

Nowadays almost all new string instruments are artfully and elaborately aged. The art of aging objects is seen in furniture, pictures and all kinds of "antiques". In China the art of aging has always been very developed. Even specialists can often not distinguish the ceramics, which are aged in China, from actual historical ceramics. Also new guitars are partly bizarrely aged and offered as "vintage".

The accordion is an exception here. The aesthetic appearance of an accordion is always flawless. I see the reason in the continuous technical development of the accordion. New developments bring forth new models. I am not familiar with the restoration of historical accordions. It seems that only new or as good as new accordions are played. The classic Bandoneon, on the other hand, is not further developed technically. The instruments are in use for 80 to 90 years, are conserved or will be restored. What raises the question of the result of a cosmetic restoration.

The restoration of the surfaces of a Bandoneon must be found individually with the owner. For example, fractions or chipping (code A06), mother-of-pearl decors (code A04), silver bars (code A05) and lyras (code F03) can be changed or saved. On the subject of gloss and splendor, I am for restraint and respect for the natural appearance of an original classical instrument.

Nature recovers any area that is not permanently "maintained". I'm thinking of the "wildly romantic" or "overgrown" garden. Like the lie, the shiny surface must always be supported, reworked and maintained. The truth is unique and stands for itself. It needs no support or care. I myself am part of nature and I like the idea that my Bandoneon is too. The really important qualities of my instrument are clear - and that's where my work as a restorer begins.

... see also "restoration, body & housing"

... see the article "Buttons. Material, characteristics, aesthetics and restorability"
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