Carsten Heveling

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Zungenbruch und Zungenwechsel
wie ist das plötzliche Brechen einer Stimmzunge zu erklären?
reed break and replace of a reed
how to explain the sudden breaking of a reed?
Bei der Vorstellung, daß die Zungen durch unser Spiel belastet werden, müßte vor einem Bruch bereits eine Veränderung der Zungeneigenschaften entstehen. So wäre es Materialermüdung die zu einem Belastungsbruch führt. Würde die Zunge ermüden, also durch Belastung an Steifigkeit verlieren, würden unsere Instrumente ständig in der Frequenz absinken. Das kann man nicht beobachten. Auch die ältesten Bandoneons oder auch bei härtestem Spiel über Jahrzehnte sinkt die Frequenz nicht nennenswert oder typisch. Eine Materialermüdung kann also nicht die Ursache für das Brechen einer Zunge im Bandoneon sein.

Die Zungen unserer Instrumente arbeiten stets unterhalb ihrer Belastungsgrenze. Da ein Zungenbruch stets plötzlich und ohne Vorankündigung geschieht, muß die Hauptursache eine andere sein. Die gute Nachricht ist also, daß wir durch unser Spiel niemals das Instrument schädigen können. Ich wüßte gerne, was die Hauptursache für den plötzlichen Zungenbruch ist. Ich habe aber nur Theorien, leider.

... siehe auch Artikel "Das Verstimmen und was es verursacht"



Zungenwechsel

Beim Ersatz von Zungen nutze ich ausschließlich Originalzungen. Diese müssen in ihren Dimensionen genauso exakt passen wie von ihrer Machart. Es gibt Handschliffzungen und Maschinenschliff-zungen die quer oder längst geschliffen sind.

... siehe auch Artikel "Die Stimmzunge"

Das Bandoneon ist kein homogen klingendes Instrument. Wie alle natürlichen, nicht elektrisch oder gar digitalen, Instrumente hat jedes Bandoneon seine klanglichen Besonderheiten je nach Knopf. Die verschiedenen Zungen für denselben Ton im Zudruck und Aufzug sind zwar gleich, liegen aber an unterschiedlichen Positionen. Die Zungen für das Spiel im Aufzug liegen innen, auf der Rückseite der Platte während der Ton im Zudruckspiel von den Zungen außen, auf den Platten liegend erzeugt wird. Auch sind die Zungen der Oktavplatten in der rechten Hand gedreht montiert. Beides sind die Hauptfaktoren, warum das Bandoneon im Zudruck so sehr anders klingt, als im Aufzugspiel.

Auch die Position des Tonloches in der Mechanik beeinflußt den Ton, da die Deckel mit Brummkasten und unterschiedlich positionierten Öffnungen Frequenzen sehr individuell dämpfen oder freilassen. Ohne Deckel gespielt klingen in der rechten Hand alle Töne ungewohnt homogen. In der linken Hand klingt es dazu offen, schneidend und laut durch die fehlenden Brummkasten, der als Resonator Frequenzen selektiert dämpft.

Homogen dagegen sollte die Art der Ansprache sein. Dazu gehört der Ansatz aus dem "Nichts", die Entwicklung eines vollen Tones im Pianissimo genauso wie eine knallende Attacke und volle Reaktion beider Zungen bei schnellstem Anspiel.

Beim Wechsel einer Zunge kommt daher neben der Frage von Mensur und Machart auch die Frage von ihrer typischen Steifigkeit auf. Neben der Stimmung, den Ventilen und Mechanik ist die typische Steifigkeit und deren Verteilung innerhalb der Zunge (Schliff) wichtig für die Fragen der Ansprache. Ein perfekte Ersatzzunge zu finden bedeutet auch eine Zunge homogen zur individuellen Natur des Instrumentes zu finden.

With the idea that the reeds are loaded by our play, a change in the reed characteristics would already have to occur before a break. Thus, it would be material fatigue that leads to a stress fracture. If the reed were to fatigue, i.e. lose stiffness due to load, our instruments would constantly drop in frequency. This cannot be observed. Even the oldest Bandoneons or even with the hardest playing over decades, the frequency does not drop appreciably or typically. So material fatigue cannot be the cause of a reed breaking in a Bandoneon.

The reeds of our instruments always work below their load limit. Since a reed break always happens suddenly and without notice, the main cause must be something else. So the good news is that we can never damage the instrument by our playing. I would like to know what is the main cause of sudden reed fracture. But I only have theories, unfortunately.


... see also article "Becoming untuned and what causes it"



replace of a reed

When replacing reeds, I use only original reeds. These must fit just as exactly in their dimensions as in their design. There are hand ground reeds and machine ground reeds which are ground crosswise or lengthwise.

... see also article "The reed"

The Bandoneon is not a homogeneous sounding instrument. Like all natural, not electric or even digital, instruments, each Bandoneon has its tonal characteristics depending on the button. The different reeds for the same note in playing opening and playing in closing are the same, but they are in different positions. The reeds for playing in opening are located on the inside, on the back of the plate, while the tone for playing in closing is produced by the reeds on the outside, lying on the plates. Also, the reeds of the octave plates are mounted rotated in the right hand. Both are the main factors why the Bandoneon sounds so much different in playing opening than in playing closing.

The position of the tone hole in the mechanisms also influences the sound, since the covers with hum box and differently positioned openings damp or release frequencies very individually. Played without the cover, all notes sound unusually homogeneous in the right hand. In the left hand, it sounds open, cutting and loud due to the missing hum box, which acts as a resonator to selectively dampen frequencies.

Homogeneous, on the other hand, should be the manner of attack. This includes the response from "nothing", the development of a full tone in pianissimo just as much as a slamming attack and full reaction of both reeds at the fastest playing.

When changing a reed, therefore, in addition to the question of scale length and make, the question of its typical stiffness also arises. Besides tuning, valves and mechanics, the typical stiffness and its distribution within the reed (ground) is important for the questions of response. Finding a perfect replacement reed also means finding a reed homogeneous to the individual nature of the instrument.
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